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Skinner

Emotionalität und Verpackung


Klingeling, das Christkind ist da! Erinnern wir uns an unsere Kinder, wenn sie beim ersten Weihnachtsfest die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum entdecken. Erst ein paar Monate alt und bereits glänzen die Augen beim Anblick der bunt verpackten Pakete. Sie beobachten, fassen an, zerknittern, beschnuppern und stecken in den Mund. Der Inhalt ist zweitrangig, die Verpackung jedoch erfreut buchstäblich alle ihre Sinne.



Die Optik muss zum Produkt passen

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und der muss passen. Die Verpackung muss mit seiner Optik den Inhalt wiedergeben und diesen unterstützen oder zumindest nicht irritierend wirken. Keine Männerparfums in rosafarbenen Flacons, keine Barbiepuppen in schwarzen Hochglanzkartons. Aber nun zu den Kartoffelchips:

Alles ist vorbereitet. Der Fernseher läuft, die Wolldecke liegt auf der Couch und die Packung Chips, die neben mir liegt, wartet schon darauf, verspeist zu werden. Sie zeigt mir ein wunderschönes 6-farbig gedrucktes Bild von frisch frittierten Kartoffelscheiben mit einem Hauch von Gewürzen und ich freue mich schon darauf, die Packung mit einem PLOP zu öffnen. Ich kann die Köstlichkeit beinahe schon schmecken…

Feels good

Auch die Haut – unser grösstes Sinnesorgan - möchte von der Verpackung angesprochen werden. Dafür gibt es heute unzählige Möglichkeiten: Effektlackierungen, Prägungen und Beschichtungen ermöglichen uns, haptische Eindrücke zu hinterlassen und das Auge bei der Wahrnehmung zu unterstützen. In letzter Zeit hatte ich eine Einladung für eine Reptilienausstellung in der Hand, auf der eine Eidechse in einem sehr hochwertigen 6-Farbedruck abgebildet war. Als Zugabe konnte ich durch die Effektlackierung die rauhe Haut der Eidechse fühlen. Einfach genial. Und wie ist es mit den Kartoffelchips?

Ich lege die Tüte Chips etwas näher her zu mir und streiche behutsam über die Oberfläche. Der Wahnsinn, ich kann die Riffeln der aufgedruckten Kartoffelscheiben auf der Verpackung fühlen.

Es knistert

Auch das Gehör spielt bezüglich unserer Gefühlswelt eine grosse Rolle. Viele Menschen reagieren beispielsweise sehr empfindlich auf den Klang der Fingernägel auf einer Styroporplatte oder lieben den kleinen Knall beim Zerplatzen von Luftpolsterfolie. Keinesfalls sollten solche Vorlieben oder Abneigungen ignoriert werden. Nichts schlimmeres als wenn wir uns beim Auspacken unserer langersehnten Spielkonsole die Ohren zuhalten möchten, weil die Verpackung sich nur mit lautem Quietschen öffnen lässt. Bei den Chips ist das anders…

Das Knistern der Packung beim Anfassen und der kleine Knall beim ersten Öffnen gehören zu meinen Lieblingsgeräuschen bei einem gemütlichen Fernsehabend. Eine Chipsverpackung die nicht knistert? Unvorstellbar!

Geschmack und Geruch – bitte nur der Inhalt, nicht die Verpackung

Bei diesen Themen ist es bedeutend, dass der Geruch oder auch Geschmack der Verpackung nicht auf den Inhalt übergeht und den Inhalt verfremdet. Die Verpackung sollte idealerweise nach gar nichts riechen – das schmecken ist eher nicht relevant.

Wunderbar – Tüte auf, Nase rein. Unverwechselbar, dieser Geruch. Es riecht nach Feierabend und nach Entspannung. Und nicht nach Verpackung. Der Verpackung verdanke ich, dass der feine Duft bis zum Aufmachen in der Packung konserviert wird. 

 

Das Handling nicht vergessen

Um mich auf beim Auspacken eines langersehnten Produktes zu freuen, muss die Verpackung einfach zu öffnen sein. Wenn möglich ohne Hilfsmittel oder Anleitungen. Aufreissfäden, die nicht funktionieren oder Perforationen die nicht an der richtigen Stelle reissen, ärgern den Anwender und lösen garantiert kein positives Gefühl aus. Das kommt sogar bei Kartoffelchipstüten vor.

Vor einigen Monaten hat mein Lieblings-Chips-Hersteller seine Verpackung verändert. Seiner Meinung nach optimiert! Die Tüten sind nun „aufgeblasener“ als vorher, was den tollen Effekt bringt, dass weniger Kartoffelscheiben zerbröselt sind als vorher. Ein Effekt den ich durchaus begrüsse. Was jedoch an der Verpackung nun zu bemängeln war: Durch die prallere Form der Verpackung mussten die Schweissnähte am oberen und unteren Ende des Beutels stärker ausgeprägt sein. Auch gut – aber: ich liege gemütlich auf dem Sofa, freue mich auf das Aufreissen der Packung, aber ich kriege die Packung nicht auf! Ich zerre und reisse – keine Chance, eine Schere muss her. Was mich dazu zwingt, wieder aufzustehen und mir in der Küche eine Schere zu holen. „Gefällt mir nicht“, denke ich dabei. Ich glaube, ich war nicht die Einzige mit diesem Problem – die Tüten sind seit einiger Zeit wieder problemlos von Hand zu öffnen!

Mein Fazit 

Damit wir uns beim Auspacken mit glänzenden Augen freuen, wie ein Kind beim ersten Weihnachten unter dem Christbaum, müssen bei der Gestaltung der Verpackung alle Sinne angesprochen werden. Die Verpackung muss zum Produkt passen und das Handling muss so einfach wie möglich sein.

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